VATIKAN/GENERALAUDIENZ - Papst Franziskus: "Gott kann nicht vorbeigehen, ohne nach den Verlorenen zu suchen“

Mittwoch, 2 April 2025

Vatikanstadt (Fides) - „Gott kann nicht vorbeigehen, ohne nach den Verlorenen zu suchen“, so Papst Franziskus Katechesetext, der für die heutige Generalaudienz vorbereitet und wie schon seit über einem Monat nur in schriftlicher Form und am späten Vormittag veröffentlicht wurde. Der Papst, der den Zyklus der Katechesen über das Leben Jesu fortsetzt, verweilt heute bei der Begegnung Christi mit Zachäus, „eine Episode, die mir besonders am Herzen liegt, weil sie einen besonderen Platz in meinem geistlichen Weg einnimmt“, so der Bischof von Rom in dem Text.

Die Begegnung findet in der Stadt Jericho statt, die „unter dem Meeresspiegel liegt“ und deshalb „als Abbild der Unterwelt gilt, wohin Jesus gehen will, um diejenigen zu suchen, die sich verloren fühlen. Und so steigt der Auferstandene auch in die heutige Unterwelt hinab: An die Orte des Krieges, zum Schmerz der Unschuldigen, in die Herzen der Mütter, die ihre Kinder sterben sehen, zum Hunger der Armen“.

Das Bild, das der Evangelist Lukas von Zachäus zeichnet, ist unbarmherzig: „Er ist nicht nur ein Zöllner, also einer, der die Steuern seiner Mitbürger für die römischen Invasoren eintreibt, sondern er ist sogar der Anführer der Zöllner, als wolle er sagen, dass sich seine Sünde vervielfacht“. Und nicht nur das. Der Autor des heiligen Textes, so betont der Papst, weist darauf hin, „dass Zachäus reich ist, und lässt durchblicken, dass er auf dem Rücken anderer reich geworden ist und seine Stellung missbraucht hat“.

Aber „als er hört, dass Jesus in die Stadt kommt, verspürt Zachäus den Wunsch, ihn zu sehen“. Für ihn, so der Papst, „würde es genügen, ihn aus der Ferne zu betrachten“, aber er muss sich mit der Realität abfinden: „Er ist klein … und die Menge hindert ihn daran, Jesus zu sehen“. So klettert er „wie ein Kind“ auf einen Baum, „um zu beobachten, ohne -hinter dem Laub versteckt - selbst gesehen zu werden“.

„Aber mit dem Herrn geschieht immer etwas Unerwartetes: Als Jesus sich nähert, schaut er hinauf. Zachäus fühlt sich entdeckt und erwartet wahrscheinlich eine öffentliche Zurechtweisung. Die Menschen mögen darauf gehofft haben, aber sie werden enttäuscht: Jesus bittet Zachäus herunterzukommen, ist fast überrascht, ihn auf dem Baum zu sehen, und sagt ihm: „Ich muss heute in deinem Haus bleiben!““. In diesem Abschnitt hebt der Evangelist, so der Papst, „die Freude im Herzens von Zachäus hervor“, „die Freude eines Menschen, der sich vergeben fühlt. Der Blick Jesu ist nicht vorwurfsvoll, sondern voller Barmherzigkeit, die wir manchmal nur schwer annehmen können, vor allem, wenn Gott denen vergibt, die es unserer Meinung nach nicht verdient haben. Wir murren, weil wir der Liebe Gottes Grenzen setzen wollen“.


Und zu Hause steht Zachäus, „nachdem er die Worte Jesu über die Vergebung gehört hat, auf, als würde er einer Verurteilung zum Tode entgehen. Und er erhebt sich, um eine Verpflichtung einzugehen: das Vierfache dessen zurückzugeben, was er gestohlen hat. Es geht nicht um einen Preis, der zu zahlen ist, denn die Vergebung Gottes ist kostenlos, sondern um den Wunsch, den nachzuahmen, von dem er sich geliebt fühlte. Zachäus geht eine Verpflichtung ein, zu der er nicht verpflichtet war, aber er tut es, weil er weiß, dass dies seine Art zu lieben ist. Und er tut es, indem er sowohl die römische Gesetzgebung zum Diebstahl als auch die rabbinische Gesetzgebung zur Buße zusammenführt…. Sein Vorschlag ist nicht abstrakt, sondern Teil seiner Geschichte: Er hat auf sein Leben geschaut und den Punkt gefunden, an dem er seinen Wandel beginnen kann“, heißt es im Text der päpstlichen Katechese abschließend.

(F.B.) (Fides 2/4/2025)


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