Port-au-Prince (Fides) - Zwei Schwestern der „Petites Sœurs de Sainte Thérèse de l’Enfant Jésus“, sind in Mirebalais, im Zentrum Haitis, von Mitgliedern bewaffneter Banden ermordet worden, die seit vergangenem Montag in das Gebiet eingedrungen sind. Dies bestätigte der Erzbischof von Port-au-Prince, Max Leroy Mésidor, gegenüber den lokalen Medien und fügte hinzu: „Das ist ein immenser Verlust für die Gemeinschaft“.
Schwester Evanette Onezaire und Schwester Jeanne Voltaire wurden am Montag getötet, als die Stadt Mirebalais von der Koalition krimineller Banden „Viv Ansanm“ angegriffen wurde. Dabei kam es auch zu Angriffen auf Geschäfte, Polizeistationen und ein Gefängnis, aus dem Berichten zufolge mehr als 500 Häftlinge entkommen konnten.
Lokalen Medienberichten zufolge arbeiteten die beiden Ordensfrauen an der Schule in Mirebalais und hatten sich während der Angriffe zusammen mit einem Mädchen in ein Haus geflüchtet. Mitglieder der bewaffneten Banden drangen jedoch in das Gebäude ein, eröffneten das Feuer und töteten die beiden Schwestern und das Mädchen.
Bis heute ist die Lage in Mirebalais chaotisch. Der Delegierte der Regierung in der Region, Frédérique Occéan, sagte, dass die Straßen der Stadt mit Leichen übersät sind, die einen üblen Geruch verbreiten. Berichten zufolge sind die städtischen Behörden abwesend und viele Einwohner sind geflohen.
Haitianische Medien berichteten außerdem, dass bewaffnete Banden in den letzten Stunden auch das Universitätskrankenhaus von Mirebalais angegriffen hätten. Gestern gingen Tausende in der Hauptstadt auf die Straße, um gegen die Verschlechterung der Lage und die Zunahme der Angriffe durch Banden zu demonstrieren.
An den Protesten nahmen auch Vertriebene teil, die in Camps in der Nähe von Port-au-Prince leben, nachdem sie ihre Häuser verlassen mussten, sowie die Bewohner der Stadtteile Canapé-Vert (wo sich die Bevölkerung gegen die Bedrohung durch bewaffnete Gruppen wehrt, die versuchen, in das Gebiet einzudringen), Turgeau, Carrefour-Feuilles, Pacot, Debussy, Delmas und benachbarte Gebiete. Die haitianische Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen, die sich vor der „Ville d'Accueil“, dem Sitz des Übergangsrates des Präsidenten (CPT) und der Regierung, versammelt hatte.
Allein im vergangenen Jahr hat die Gewalt in Haiti nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 5600 Tote (tausend mehr als im Vorjahr), über 2000 Verletzte und etwa 1500 Entführte gefordert. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hatte nur Stunden vor dem Ausbruch der Gewalt in Mirebalais berichtet, dass in Haiti zwischen Juli und Februar mindestens 4.239 Menschen mit Waffen ermordet und 1.356 verwundet wurden, die trotz des vom UN-Sicherheitsrat verhängten Embargos illegal aus dem Ausland eingeführt worden waren.
(F.B.) (Fides 3/4/2025)