Karuna Myanmar
Naypyidaw (Agenzia Fides) - Das schwere Erdbeben in Myanmar hat dazu geführt, dass die internationale politische Isolation, die nach dem Staatsstreich von 2021 um die herrschende Militärjunta des Landes entstanden war, durchbrochen wurde. Dies stärkt die Position des regierenden Generals Min Aung Hlaing neue Kraft, da diplomatische Kanäle geöffnet wurden, die vier Jahre lang geschlossen waren. Indem er öffentlich und direkt mit Ländern wie Indien, China und Russland, mit anderen asiatischen und nicht-asiatischen Nationen und mit internationalen Organisationen interagiert - um die humanitäre Hilfen zu organisieren - präsentiert sich der General als Myanmars wichtigste öffentliche Autorität.
Bereits in der vergangenen Woche sprach General Min Aung Hlaing mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dem indischen Premierminister Narendra Modi und dem malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim, und diese Gespräche führten zu einem Fluss internationaler Hilfe. Auch ein Treffen zwischen den Ländern des Verbandes Südostasiatischer Staaten (ASEAN), von dem Myanmar bisher ausgeschlossen war, soll in Kürze stattfinden und wird mit ziemlicher Sicherheit dazu führen, dass burmesische Vertreter an den Tisch zurückkehren, um regionale humanitäre Unterstützung zu organisieren.
Das Erdbeben ereignete sich nur wenige Wochen, nachdem die Junta angekündigt hatte, Ende 2025 allgemeine Wahlen abzuhalten - ein Zeitplan, der als unpraktisch und unrealistisch galt, da 50 Prozent des Landes unter der Kontrolle der Widerstandskämpfer stehen. Das tragische Ereignis des Erdbebens hat der burmesischen Führung jedoch ein neues Fenster für die Interaktion mit regionalen Mächten geöffnet.
Analysten zufolge könnte die Militärjunta die Krise auch nutzen, indem sie Städten, Dörfern und der Bevölkerung, die den Oppositionsgruppen nahe stehen, Hilfe verweigert. Die Widerstandsorganisation „Octopus“ weist in einer Mitteilung zudem darauf hin, dass „die Armee in den Tagen nach dem Erdbeben mehrere Luftangriffe auf einige Städte und Dörfer durchgeführt hat“. „Die Jugend Myanmars ist bereit, in dieser Zeit der Naturkatastrophe zu helfen. Aufgrund der von der Junta im vergangenen Jahr verhängten Zwangsrekrutierung waren viele jedoch gezwungen, in die Grenzregionen oder ins Ausland zu fliehen“, so die Organisation. „Wir sind dankbar für die humanitäre Hilfe, die die Erdbebenopfer erreicht. Da die Hilfe jedoch von der Militärjunta verwaltet wird, sind wir zutiefst besorgt, dass die Hilfe nicht wirklich all die Menschen erreicht, die sie wirklich brauchen“, heißt es in der Mitteilung.
Angesichts der anhaltenden Nachbeben in Myanmar hat das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) Soforthilfe für rund 25 000 Überlebende in den Gebieten Mandalay und Naypyidaw bereitgestellt und den kritischen Bedarf in den Regionen Mandalay, Magway und Sagaing ermittelt. In den erdbebengeschädigten Gebieten leben insgesamt 45 % der 3,8 Millionen Binnenvertriebenen, die ihre Heimat infolge des Bürgerkriegs in Myanmar bereits verlassen mussten. Das UNHCR fordert weiterhin „ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfsorganisationen, um den Gemeinden zu helfen, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind“. Dabei wird die Notwendigkeit eines sofortigen Waffenstillstands im Bürgerkrieg, eine Forderung, die auch von der burmesischen katholischen Kirche erhoben wurde (vgl. Fides 31.3.2025), hervorgehoben, um die Hilfsmaßnahmen durchführen zu können.
(PA) (Fides 2/4/2025)